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"Für die Entwicklung von Kindern als Schreiber bietet der Computer einzigartige, in hohem Masse lernförderliche Möglichkeiten. Ob und wie die Kinder sie nutzen, hängt vom pädagogisch-didaktischen Konzept und von den institutionellen Rahmenbedingungen ab."
Barbara Kochan, Computermerkmale und Unterrichtskonzept, S.41. In: Schriftspracherwerb: Neue Medien - Neues Lernen!? Braunschweig 1999.
Allgemeine Überlegungen zum Computereinsatz im Schreibunterricht
Im Alltagsgebrauch wird der Computer meist als Schreibgerät eingesetzt. Deshalb liegt der Gedanke nahe, den PC auch im Schreibunterricht bereits in der Grundschule in dieser Funktion zu benützen.
Die folgenden allgemeinen Überlegungen sollen Lehrerinnen und Lehrer anregen, über den Einsatz des Computers in ihrem Schreibunterricht nachzudenken.
Konkrete Anregungen finden sich bei den Beispielen und Projekten. Eine vertiefte Auseinandersetzung ermöglicht die Lektüre der entsprechenden Fachliteratur sowie das Aufspüren weiterer Informationen im World Wide Web.
1. Die Grundsatzfrage: Schreiben am Computer bereits in der Volksschule?
2. Vorbedingungen des Schreibens mit dem Computer
3. Die Teilprozesse des Schreibens am Computer
4. Fragen an den Copmutereinsatz im (Schreib-) Unterricht
5. Spezielle Schreibprogramme für Kinder
6. Tipps für die Praxis
1. Schreiben am Computer - bereits in der Volksschule?
Ja, weil ...
... der Computer in unserer Gesellschaft mittlerweile das wohl meistverwendete Schreibwerkzeug ist.
... der Computer die Palette der Schreibmöglichkeiten (Handschrift, Schreibmaschine, Druckerei -> Freinet!, ...) sinnvoll erweitert und somit zusätzliche Schreibanreize bietet. Vielfalt ist im Bereich der Schreibschulung eine pädagogische Notwendigkeit, um auf die Vielfalt der Bedürfnisse, Interessen, Entwicklungsphasen und Ideen der Lernenden.
... gerade in der Kombination von Schreibmaschine (Eingabe über Tastatur, perfekte Schrift, Darstellungsmöglichkeiten), Schiefertafel (schnelle Korrektur, Text löschen), Druckerei (Gestaltung von Texten, Druck beliebig vieler Exemplare) und Archiv (Aufbewahrung früherer Texte) die spezifische Stärke des Computers liegt.
... viele Kinder bereits Computer-Schreiberfahrungen mit in den Unterricht bringen.
.... sich am Computer sehr gut gemeinsam Texte schreiben lassen (kooperatives schreiben).
... der Computer bei Schreibanfängerinnen und Schreibanfängern zwischendurch eine willkommene Alternative zur motorisch anspruchsvollen Handschrift bieten kann.
... auf diesem Weg Zugäng zu multimediealen Texten und Hypertexten auf produktive Art geschaffen werden können.
... das Schreiben am Computer von vielen Kindern als speziell motivierend empfunden wird.
... sich am Computer ohne grossen Aufwand Korrekturen vornehmen lassen. Zudem besteht die Möglichkeit, auf einfache Art und Weise (inhaltlich und gestalterisch) diverse Textvarianten zu produzieren.
... im Umgang mit Hard- und Software instrumentelle Fähigkeiten beiläufig erlernt werden können.
... in der frühen bewussten Auseinandersetzung mit dem Medium Computer auch medienpädagogische Aspekte eingebracht werden können (Stellenwert des Computers, Rollenverhalten, ... ).
Aber:
Die Handschrift wird dank der Möglichkeiten ihren Stellenwert noch lange nicht einbüssen. Als billige und genial einfache "low technology" werden wir Papier und Bleistift immer wieder einsetzen.
Die Problematik des Tastaturenschreibens in der Grundschule darf nicht negiert werden. (Dazu hier demnächst mehr)
Der Computer ist ein hochkomplexes Medium und entsprechend störanfällig. Wer je mit dem Computer im Unterricht gearbeitet hat, weiss sehr wohl, wie schnell Schwierigkeiten auftauchen können und wie schwierig (und zeitaufwändig) es sein kann, diese Störungen zu beheben.
Die Komplexität der Aufgabenstellung muss jeweils klar im Auge behalten werden. Beim Schreiben am und mit dem Computer sind die Schüler/innen gleich auf zwei Ebenen voll gefordert:
- Einerseits müssen sie sich mit dem entstehenden Text auseinandersetzen (Schreibprozess, Textkonzeption Textinhalt, Adressatenbezogenheit, Textattraktiviät, ?).
- Andererseits fordert sie die technische Realisierung (Umgang mit der Hard- und Software).
Deshalb muss der Computereinsatz im Unterricht wohl überlegt erfolgen. Oft lässt sich der Computer mit zum Teil einfachsten Mittel hervorragen simulieren. Vorteile: Es ist billiger, alle haben einen ?Computer?, wir brauchen weder Strom aus der Steckdose noch von Batterien und die Simulationen können ebenso lustvoll sein wie das Starren auf den Bildschirm (Idee der "Steinzeit-Computer").
| 1. Grundsatz | 2. Vorbedingungen | 3. Teilprozesse | 4. Fragen | 5. Programme | 6. Tipps |
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2. Vorbedingungen des Schreibens mit dem Computer
Grundsätzlich sollen die Schüler/innen ...
... den PC inklusive Textprogramm selbstständig starten und beenden können.
... Texte ab Diskette laden und unter einem anderen Namen abspeichern können.
... die einfachsten Gestaltungsmöglichkeiten eines Textprogramms kennen (dies lässt sich evtl. gleich in erste Übungen einbauen).
Erwachsene - und insbesondere Lehrerinnen und Lehrer - neigen dazu, neue Fähigkeiten in einzelnen kleinen, aufeinander aufbauenden Schritten zu erlernen und zu vermitteln. Kindern dage-gen lernen viel stärker durch Versuch und Irrtum, sie sind gerade im Umgang mit dem Computer offener und neugieriger als wir Erwachsenen. Sie erforschen den Computer und seine Möglichkeiten intuitiv und ohne grossen Respekt - ihnen fehlt zum grössten Teil die Angst, etwas falsch zu machen. Zudem kennen sich einige von ihnen im Umgang mit dem Computer oft besser aus als ihre Lehrkräfte.
Die Konsequenzen aus diesen Feststellungen:
- Keine langwierigen Instruktionen
- den Computer im Team erforschen lassen
- möglichst schnell offene Anwendungsaufgaben stellen (die mehrere Lösungen zulassen)
- Schülerinnen und Schüler als Expertinnen und Experten einsetzen
- individualisierte und schülerzentrierte Lernformen verwenden
- durch eine geschickte Organisation sich als Lehrperson entlasten - dies gibt Raum für individuelle Beratung.
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3. Die Teilprozesse des Schreibens am Computer
Bei der Textverarbeitung lassen sich grob drei Teilprozesse unterscheiden:
- die Texteingabe
- die Textbearbeitung
- die Textgestaltung.
Diese Phasen des Schreibens am Computer sind in die Aufgabenstellungen einzubeziehen. Bei der Texteingabe sind verschiedenste Varianten möglich: Vorschreiben von Hand, als Textbasis ein Brainstorming oder ein Cluster verfassen, den Text unmittelbar eintippen, ...
Bei der Textbearbeitung kommen die Vorzüge des Computers erst so richtig zum Tragen. Korrekturen sind sehr schnell gemacht, Varianten können einander gegenübergestellt werden, Textfragmente können gekürzt, verschoben, gelöscht werden.
Oft lohnt es sich, nach einer bestimmten Korrekturphase den Text vor der Weiterbearbeitung innerhalb des gleichen Dokuments zu kopieren und an der Kopie weiter zu arbeiten. Damit werden beim Ausdruck auch auf dem Papier die verschiedenen Phasen des Entstehungsprozesses sichtbar.
Die Textgestaltung am Computer ist für die Schülerinnen und Schüler meist eine äusserst lustvolle Arbeit. Dies verführt aber dazu, viel zu früh damit zu beginnen - lange bevor der Text inhaltlich vollständig bearbeitet ist. Zudem werden oft alle möglichen - und unmöglichen - Gestaltungselemente verwendet und der Text damit "zugepflastert".
Die Konsequenzen:
- Die Textgestaltung darf erst am Schluss vorgenommen werden. Zentraler - insbesondere im Deutschunterricht - ist die zweite Phase, die Textbearbeitung.
- Ruhig mit der Textgestaltung experimentieren, aber anschliessend die Resultate besprechen. Unterstützen - oder überdecken - die gestalterischen Elemente den Textinhalt?
4. Fragen an den Computereinsatz im (Schreib-) Unterricht
Bevor ich den Computer für die Textproduktion im Deutschunterricht einsetze, sollte ich die folgenden Fragen beantworten:
- Wird wirklich das gelernt, was ich als Lehrer/in als Ziel vorgebe?
- Bleiben bei der Aufgabenstellung der Inhalt des Textes, seine Einbettung in die Kommu-nikationssituation weiterhin zentral?
- Ist der Computer im geplanten Einsatz wirkungsvoller, motivierender als einfachere Unterrichtsmittel?
- Sind die notwendigen Grundfertigkeiten bei den Schüler(inne)n vorhanden? Verstehen sie die computerspezifischen Anweisungen der Aufgabenstellung?
- Ist der Aufwand für mich als Lehrer/in nicht grösser, sondern eher kleiner als im herkömmlichen Unterricht?
- Habe ich Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich meine Erfahrungen (Unterrichtsvorbereitungen) austauschen kann, bei denen ich Tipps und Kniffs zum Umgang mit dem Computer erhalte?
5. Spezielle Schreibprogramme für Kinder
Textverarbeitungsprogramme (und Grafikprogramme) für Erwachsene sind sehr komplex und werden auch von professionellen Benutzer(inne)n selten voll ausgenützt. Deshalb eignen sich diese Programme auch nur beschränkt für den Einsatz im Unterricht in der Primarschule. Eine sinnvolle Alternative bilden spezielle Programme für Kinder. Oft bieten auch diese sehr viele verschiedene Werkzeuge an, sind aber in der Bedienung intuitiver und können somit ohne langwierige Instruktionen eingesetzt werden.
In der Rubrik "lernsoftware / programme / texteschaffen" werden deshalb auf dieser tipp&klick-Site einige spezifische Schreibprogramme für Kinder vorgestellt.
Ebenfalls gut einsetzbar sind einfache Schreibprogramme, die zur Grundaustattung von Computern gehören (siehe auch "Tipps").
- Der Computer scheint gerade für lernschwache und unmotivierte Schüler/innen ein Medium zu sein, dass ihnen behagt. Sie zeigen am Computer mehr Ausdauer und Leistungsbereitschaft.
- Idealerweise wird der Computer im Schreibunterricht als ein Medium unter anderen eingesetzt. Daneben können weitere anregende Medien eingesetzt werden: Plakat, Schreibmaschine, Druckerei, ... Die Idee des offenen Schreibunterrichts geht sowieso davon aus, dass ein Kind selber entscheiden soll, wie ein Text entsteht (also welches Werkzeug es benutzt). In den neusten schreibdidaktischen Ansätzen - basierend auf konstruktivistischen Lerntheorien - wird sogar gefordert, dass nicht nur das WIE, sondern auch das WAS dem Kind überlassen wird. Die Lernenden bestimmen somit alle Angelegenheiten des Schreibens (inkl. Inhalt) selber.
- Kinder schätzen das Schreiben mit dem Computer auch deshalb, weil ihr Text am Schluss nicht in Kinderschrift, sondern "erwachsenengerecht" daher kommt. Sie machen dabei (leider) die Erfahrung, dass im Computerausdruck ihre Text ernster genommen werden.
- Oft werden die Kinder noch dazu angehalten, ihre Texte von Hand vorzuschreiben und anschliessend am Computer einzugeben. Diese Methode geht an den Chancen, die der PC bietet vorbei (einfache Korrektur eingaben, Möglichkeit von verschiedenen Textversionen - Kochan spricht von der "Knetbarkeit" von Computertexten). Also lieber weniger Texte am Computer schreiben lassen, dafür Texte vollständig am PC entwerfen.
- Textprogramme für die Unter- und Mittelstufe der Primarschule sollten nicht zu komplex aufgebaut sein. So erweisen sich ältere Textprogramme als durchaus schülergerecht. Eine sinnvolle und günstige Alternative bietet zum Beispiel WordPad, ein einfaches Textprogramm, dass zur Grundausstattung des Betriebssystem Windows (ab Windows95) gehört. Es wird aufgerufen über "Start" / "Programme" / "Zubehör" / "WordPad" und biete alle wichtigen Funktionen an, bleibt aber im Angebot der Möglichkeiten übersichtlich. Später lassen sich Texte auch problemlos in andere Textverarbeitungen integrieren.
- Wer mit dem am weitesten verbreiteten Programm "WORD für Windows" (oder WORKS) arbeitet, lässt nur jene Elemente auf dem Bildschirm erscheinen, die unbedingt notwendig sind und blendet den Rest aus. Dies geht leicht über "Ansicht" / "Symbolleisten" / "Anpassen". (siehe auch Word-Hilfe unter "Symbole" bzw. "Symbolleisten"). Oft ist es im Programm WORD sogar sinnvoll, zuerst Schriftart und Schriftgrösse festzulegen, um anschliessend einen vollständig weissen Bildschirm erscheinen zu lassen, ohne störende Befehls- und Symbolleisten. Dies wird erreicht über "Ansicht" / "Ganzer Bildschirm". Mit der Taste "Esc" wird der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt.
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